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Schachboxen

Ist eine Kampfsportart, bei der die beiden traditionellen Sportarten Schach und Boxen miteinander verbunden werden. Jeweils abwechselnd treten die Kämpfer in Schach- und Boxrunden gegeneinander an. Schachboxen wurde 2003 vom niederländischen Aktionskünstler Iepe Rubingh (1974–2020) erfunden. Zunächst als Kunstperformance gedacht, entwickelte sich die Idee schnell zum ausgereiften Wettkampfsport.


Ablauf eines Schachboxkampfes


Die klassischen Schachboxregeln sehen einen Kampf über 11 Runden vor, 6 davon werden im Schach und 5 im Boxen bestritten. Schach- und Boxrunden werden jeweils im Wechsel absolviert, der Kampf beginnt und endet mit einer Schachrunde. Jede Runde dauert 3 Minuten, sowohl im Schach als auch im Boxen. Die Schachzeit summiert sich auf insgesamt 18 Minuten, von denen jeder Spieler 9 Minuten zur Verfügung hat. Nach jeder Schachrunde wird die genaue Position des Schachspiels digital registriert und vor der nächsten Schachrunde rekonstruiert, die Spieler spielen also eine Schnellschachpartie mit 18 Minuten aufgeteilt auf 6 Runden. Die Pausen zwischen den Box- und Schachrunden betragen in der Regel 60 Sekunden. Bei Amateur-Schachboxkämpfen kann es in gewissem Rahmen zu veränderten Runden- und Kampflängen kommen, zum Beispiel bei Jugendturnieren oder Showkämpfen.


Kampfentscheidung


Ein Schachboxkampf kann durch folgende Ereignisse vorzeitig entschieden werden:

  • Sieg durch Knockout (in Boxrunden)

  • Sieg durch technischen Knockout (in Boxrunden)

  • Sieg durch Schachmatt (in Schachrunden)

  • Sieg durch Ablaufen der Schachzeit eines Kämpfers (in Schachrunden)

  • Disqualifikation wegen Zeitspiels (in Schach- oder Boxrunden nach mehrmaliger vorheriger Verwarnung)

  • Sieg durch Aufgabe des Gegners (in Schach- oder Boxrunden)

Kann keine vorzeitige Entscheidung von einem der beiden Kämpfer herbeigeführt werden und endet die Schachpartie Remis, so wird der Sieger nach Punkten im Boxen ermittelt. Endet auch der Boxkampf Remis, so gewinnt der Schachboxer, der im Schach mit den schwarzen Figuren gespielt hat. Dieser Fall ist in der Praxis allerdings noch nicht vorgekommen.


Gewichtsklassen


Männer (ab 17 Jahren)

  • Leichtgewicht: bis 70 kg

  • Mittelgewicht: bis 80 kg

  • Halbschwergewicht: bis 90 kg

  • Schwergewicht: ab 90 kg

Frauen (ab 17 Jahren)

  • Leichtgewicht: bis 55 kg

  • Mittelgewicht: bis 65 kg

  • Halbschwergewicht: bis 75 kg

  • Schwergewicht: ab 75 kg

Bei Amateurwettkämpfen der WCBO werden die Gewichtsklassen in der Regel in 5-Kilogramm-Schritten abgestuft, in Ausnahmefällen werden auch 10-Kilogramm-Schritte toleriert.


GESCHICHTE


Der Ursprung der Idee Rubinghs, eine neue Sportart aus den Disziplinen Schach und Boxen zu kreieren, stammt aus dem Comic „Froid Équateur“ des französischen Zeichners Enki Bilal. In dem 1992 erschienenen Werk wird eine Weltmeisterschaft im Schachboxen ausgetragen. Die Comicversion sah allerdings vor, dass die Kontrahenten zunächst einen kompletten Boxkampf gegeneinander auskämpfen und sich anschließend in einer Partie Schach gegenübertreten. Rubingh empfand dieses Prinzip als unpraktisch und entwickelte es weiter, hin zum heutigen Wettkampfsport Schachboxen, bei dem sich Schach und Boxrunden abwechseln und der einem detaillierten Regelwerk folgt.[2]

Eine frühe Form der Kombination von Schach und Boxen wurde Ende der 1970er Jahre in einem Boxclub am Rande Londons beobachtet. Die beiden Gebrüder Robinson machten es sich zur Gewohnheit, nach dem Training in ihrem Boxclub eine Partie Schach gegeneinander zu spielen. Zwischen dem Schachspiel der Gebrüder Robinson und der eigentlichen Sportart Schachboxen kann allerdings kein konkreter Zusammenhang festgestellt werden.[3] Gleiches gilt für den Kung-Fu-Film „Mystery of Chessboxing“ (1979) sowie den Song „Da Mystery of Chessboxing“ (1993) des Wu-Tang Clans.


Anforderungen und Training


Schachboxer müssen sowohl beim Boxen als auch im Schach ein hohes Level haben, um für Profikämpfe im Schachboxen zugelassen zu werden. Aktuell gelten für die Wettkämpfe der Chess Boxing Global ein Elo-Rating von 1600 und eine Bilanz von 50 Amateurkämpfen im Boxen oder einer verwandten Kampfsportart als Mindestanforderungen. Ein entscheidender Faktor beim Schachboxen ist, dass die Kämpfer Schach hauptsächlich im Schnellschach-Format trainieren müssen, weil die Anforderungen bei Schachformen mit Zeitlimit andere sind als die einer klassischen Schachpartie.

Die besondere Kunst des Schachboxens liegt allerdings nicht nur darin, beide Sportarten auf einem hohen Niveau zu beherrschen, sondern vor allem den Wechsel von Vollkontaktsport zu Denksport und umgekehrt immer wieder aufs Neue von Runde zu Runde zu vollziehen. Denn nach drei Minuten Boxen, mit dem Puls am Anschlag, setzen sich die beiden Kontrahenten fast ohne Pause ans Schachbrett und müssen dort ruhig und taktisch überlegt agieren. Besonders mit steigender Kampfdauer wird dieser Wechsel immer schwieriger für die zusehends erschöpften Sportler.

Um diese Anforderungen zu trainieren, werden beim Schachboxtraining gezielt Blitzschachpartien ins Kraft- und Ausdauertraining eingebaut, um die körperliche und geistige Belastung eines Schachboxkampfes zu simulieren. So können zum Beispiel Übungen wie „track chess“ oder „stair chess“ trainiert werden, bei denen die zwei Trainingspartner eine 18-minütige Schnellschachpartie über sechs Runden spielen und zwischen den Schachrunden jeweils intensive Laufübungen wie 400-m-Sprints oder Treppensprints mit maximaler Intensität absolvieren. Auch Kraftübungen wie Liegestützen oder Boxsparring, kombiniert mit einer Schnellschachpartie, gelten als gängige Trainingsmethoden.


Landesverbände und /-Vereine


Derzeit existieren folgende Schachboxverbände auf der Welt, von besonderer Bedeutung sind vor allem der Chess Boxing Club Berlin, als ältester Schachboxclub der Welt und die Chess Boxing Organisation India, welche derzeit mit circa 400 Mitgliedern den größten Verband der Welt stellt:

  • Chess Boxing Club Berlin: seit 2004.

  • Russian Chessboxing Organisation: seit 2008.

  • London Chessboxing: seit 2009.

  • LA Chessboxing: seit 2009.

  • Boxwerk München: Schachboxen: seit 2010.

  • New York Chessboxing Club: seit 2010.

  • Chess Boxing Organisation India: seit 2011.

  • USA Chessboxing: seit 2011.

  • Italian Chessboxing Federation: seit 2012.

  • Iran Chess Boxing Organisation: seit 2013.




Wichtige Organisationen




World Chess Boxing Association

World Chess Boxing Organisation

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